12

25 Jul

Liebes Tagebuch,

heute habe ich mich im Rathaus abgemeldet. Als ich auf dem Rückweg durch einen Park/Schreinanlage spazierte, ist mir aufgefallen, dass ich mich hier meistens über die Japaner beschwere oder aufrege. Da könnte man ja fast meinen, dass ich hier nur leide und alles doof finde. Das ist aber ganz und gar nicht so.

Es gibt viele Dinge die ich hier mag. Und an den Japanern. Zum Beispiel schaffen die Leute es, sich ordentlich und brav in einer Schlange anzustellen, wenn sie auf irgendwas warten: auf dem Bahnhof beim Warten auf den Zug, vor dem Restaurant beim Warten auf freie Plätze, beim Beschwerdeschalter, ja, selbst da wo es absolut nicht notwendig ist, zum Beispiel aufm Amt, wo man ja eh ne Nummer gezogen hat. Die einzigen, die ab und zu aus der Reihe tanzen sind die älteren Damen und Herren, die gerne mal schubsen, drängeln und unfreundlich sind. Was auch schön und entspannend ist, dass man prinzipiell von der Ehrlichkeit der Menschen ausgeht und nicht von der Unerhlichkeit. Keiner kontrolliert sein Wechselgeld, Angaben werden als wahr angenommen ohne dass sie zigmal nachgeprüft werden (außer an öffentlichen Stellen) und viele kommen nicht einmal auf die Idee, dass der Gegenüber einem was böses will. Natürlich führt das auch dazu, dass viele leicht übers Ohr gehauen werden, aber es ist im generellen eine erfrischende Atmosphäre. Es gibt sogar immer wieder Fälle, wo Leute sogar lose Geldscheine, die sie auf der Straße finden, bei der Polizei als Fundgut abgeben – was bei uns wahrscheinlich so schnell keiner machen würde.

Was auch sehr erfrischend ist, ist der Service und die Kundenfreundlichkeit. Selbst im Supermarkt fühlt man sich so, als wäre man wirklich König. Die Leute reißen sich Arme und Beine aus, um dem Kunden das zu bieten, was er möchte. Das ging sogar so weit, dass ein Kumpel in einen Laden ging und er dort etwas haben wollte, was eigentlich dort gar nicht verkauft wird, dafür aber im Laden gegenüber. Anstelle ihn da einfach nur rüberzuschicken, führte einer der Ladenmitarbeiter hinüber und zeigte ihm in dem Laden sogar wo er das gesuchte findet. Nein, die Läden gehörten nicht zusammen (waren aber natürlich auch keine Konkurrenten – zumindest nicht auf dem betreffenden Gebiet). Als ich den Ring für Franzi kaufen war, habe ich nicht nur das übliche Angebot auf Kaffee und Tee erhalten, während wir gesucht haben, sondern wurde zum Schluss von allen Verkäufern die gerade keine Kunden hatten, höflichst verabschiedet und der Chef vom Dienst hat mich noch zur Tür gebracht und mit tiefer Verbeugung draußen verabschiedet. Das war nicht, weil ich besonders bin, sondern weil man das eben so macht und zum guten Ton gegenüber der Kundschaft gehört.

Es sind solche „Kleinigkeiten“, die das Altagsleben in Japan interessant und angenehm machen. Ja, bei uns findet man solche Eigenschaften auch vereinzelt, aber die Häufigkeit wie das auftritt ist wesentlich höher als bei uns. Es gibt hier natürlich auch Stellen wo das keine Anwendung findet, die sind aber so gering, dass jeder Fall davon ein Grund zur Aufregung ist und einem länger im Gedächtnis bleibt.

Soweit erstmal

Liebe Grüße

Nico

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Eine Antwort to “12”

  1. T.Silvi 26. Juli 2012 um 01:03 #

    Hallo Nico
    Auch ein Jahr geht schnell vorbei und alle eindrücke sind in deinem Kopf für alle Zeiten
    Pass bloß auf das du bei der Bergbesteigung nicht runterfällst aber ich kann verstehen
    das auch dieses Event sein muß
    Viele Grüsse wir freuen uns auf Deine Heimkehr
    Oma Sonja T Silvi

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