Endlich da!

14 Sep

Liebes Tagebuch,

heute und gestern hatte ich einen Mörderflug. Ich konnte in keinem Flieger auch nur ansatzweise schlafen. Da ich mir ja kurz vor Abflug noch eine Erkältung eingefangen habe, bin ich dann mal spontan im Flugzeug taub geworden. Nach dem ersten Flieger gings dann im zweiten wieder mit dem Hören, aber spätestens bei der Landung der Maschine in Japan wars damit vorbei.

Aber mal vom Anfang an.

Am Montag morgen wurde ich von meiner Familie rührend verabschiedet. Dabei flossen viele Tränchen.

Nachdem ich dann mich verabschiedet hatte kam die Sicherheitskontrolle. Wie meine Familie vielleicht mitbekommen hat, gab es erst einige Probleme. Ich legte alle Taschen ab und entfernte meinen Gürtel. Das alleine ist etwas schwierig, denn die Hose ist am Bund etwas zu groß – so groß, dass sie locker rutscht. Mit einer Hand die Hose haltend ging ich also durch die Sicherheit. Piep. Ich habe geschworen, dass ich ncihts habe. Bei der Kontrolle mit der Kelle wurde ich erst auf meine Tachenuhr, nach dem zweiten Durchgang auf mein Portmonaite, beim dritten auf mein Handy, beim vierten auf meinen Schlüssel hingewiesen. Wo das dann alles geklärt war, bekam ich meinen Gürtel zurück und musste sie nicht mit der Hüfte balancieren (bei der Nachkontrolle immer schön die Arme weit ausstrecken). Rein in den Flieger und ab dafür. Im ersten Flug selber haben sie mir ein Sandwich serviert, dass nichtmal schlecht war (nach momentanen Maßstäben gemessen). Zur Landung hin wurde es kritisch: Ich war plötzlich auf einem Ohr taub. Das blieb auch weiterhin, als wir gelandet sind in London. Wir passierten dort erneut die Sicherheit, um in das Einkaufszentrum zu gelangen. Will man nämlich weiterfliegen, kann man gar nicht anders, als da durchzugehen. Ich denke, es ist Taktik, dass zwischen allen Flügen so viel zeit liegt, denn es gibt z.B. eine Harrods-Fiale, mehrere Kaufhäuser, ja sogar Hotspots für Internet (natürlich entsprechend teuer) und eine ganze Menge Restaurants (mit unverschämten Preisen). Ich entschied mich am Ende dazu, mir einen Bagel zu holen (Hamburger o.Ä. kosteten ein Vermöfen), der wirklich gut schmeckte. Nach ewigem Warten durften wir am Ende auch zu unserem Gate fahren – mit dem Zug. Der war gottseidank kostenlos, aber dafür auch führerlos. Irgendwann starteten wir endlich nach Japan (an Bord eines nicht ganz kleinen Flugzeug).

Der Flug selber war sehr entspannend. Das Entertainment-System der BA ist recht gut. Man hat eine sehr große Auswahl neuer und alter Filme aus verschiedenen Sparten und in verschiedenen Sprachen. Ein Problem: die wenigsten Filme gibt es auf Deutsch. Also auf Englisch. Ich kann euch sagen, dass Battle LA hätte besser lein können. Kung-Fu Panda war auch nicht so gut wie der erste Teil, aber definitiv schon was, was man sich ansehen konnte. Danach kamen noch eine Folge Doctor Who und zwei Folgen Big Bang Theory. Die Restliche Zeit verbrachte ich damit zu essen, dem Versuch einzuschlafen und lesen. Das Essen war recht gut, ich hätte zumindest schlimmeres erwartet. Einschlafen klappte irgendwie bei allen anderen im Flugzeug (die Dame zwei Plätze weiter schließ ein, als sie sich setzte und wachte auf, als wir gelandet waren – Neid), nur bei mir nicht. Ruhige Musik half nicht und Alkohol wollte ich nicht. Der Flug war übrigens inklusive Getänke (wozu auch ein gewisses Maß an Wein gehörte – den ich wie gesagt ablehnte). Der Orangensaft wurde in Joghurtbechern (kleine Joghurtbecher – so in der Größe von Fruchtzwerg) serviert.

Kurz bevor wir zum Landeanflug ansetzten war dann meine Taubheit weg. Als wir zum Landen ansetzten kehrte sie zurück.

Das erste was mich begrüßte, als ich nach Japan kam, war eine Citibank-Werbung. Das zweite waren die Toiletten. Nachdem ich kurz die falsche Tür erwischte und vor einem traditionellen japanischen Klo stand, fand ich das „normale“ europäische WC. Für alle die fragten: keine HiFi-Anlage oder Roboter im Klo – nur ne normale Kloschüssel.

Danach kam ich den Sicherheitsbereich. Das witzige ist, dass man einreisen muss nach Japan um seine Koffer zu bekommen. Ich habe natürlich, vorbildlich wie ich bin (und dank unseres Flugbegleiters Shaun) alle Papiere richtig und vollständig ausgefüllt. Ich stellte mich also an die lange Schlange an – und wurde erstmal über die Kriterien belehrt, die zur Verweigerung der Einreise führen würden – erst auf Chinesisch, dann auf Koreanisch, dann auf Spanisch, dann auf Portugiesisch, dann auf Russisch, dann auf Thai und dann endlich in Sprachen die ich lesen konnte: erst Französisch, dann Japanisch, dann Englisch. Dann war die Schlange auch schon so weit aufgerückt, dass ich zu den eigentlichen Schlangen weitergeleitet wurde – es gibt bei der Einreise am Flughafen nämlich eine Schlange für die Schlange. Ältere Herren (Rentner die sich was dazu verdienen) sind da, um uns einzuweisen und die Vollständigkeit der Dokumente zu kontrollieren. Einer der Rentner wies mich dann an, die vierte Schlange zu betreten. Also ging ich von einer zur anderen. Dort dauerte es nochmal eine Weile (die, die vor mir standen hatten natürlich nicht alles). Zwischendurch frgten wir uns, was geschehen würde, wenn man ausgewiesen werden würde? Der Koffer kommt ja nicht mit, da der ja schon einreisen durfte. Egal: Ich durfte letztendlich dann vor den grimmigen japanischen Grenzer treten. Er sah meine Papiere, sein Gesicht hellte auf und er sprach mit mir nicht mehr auf Englisch, sondern auf Japanisch. Wie sehr sich doch die Meinung der Leute verbessert, wenn man ihre Sprache spricht. Ich musste nur Fingerabdrücke und Foto schnell machen und wurde ohne weitere Umstände durchgewunken. Meine Bearbeitungszeit liegt bei 10 % des Durchschnittswertes meiner Vorgänger. Mir solls recht sein. Dann Koffer holen und weiter. Nächste Kontrolle: Zoll. Ich sah von der Schlange aus (diesmal nur eine), dass er jeden Dritten seine Koffer öffnen ließ. Wie der Zufall es so wollte, war ich Nummer Drei. Auch er sah meine Papiere und schien sich zu freuen, jemanden zu haben der Japanisch spricht. Einzige Frage war, wie viele Taschen ich habe und dann wurde ich durchgewunken. Ich denke nur, dass der Argentinier hinter mir sich weniger gefreut hat, da er nun allen Anschein nach Nummer drei war.

Erste Hürde geschafft – was nun? Taxi und Transferbusse waren ausgewiesen, nur die Bahn versteckte sich. Ich kaufte erstmal die Tickets (was mich insgesammt 28 € kostete – so ca.) und begab mich dann auf die Suche. Ich fand dann auch den Bahnhof recht schnell (nach nur zweimal fragen) und wartete kurz auf den Zug. Das witzige an Regionalbahnhöfen ist, dass für jede einzelne Linie die Einstiege angezeigt werden. Du merkst also gleich daran, dass du beim Versuch einzusteigen gegen eine Seitenwand rennst, dass es der Falsche Zug ist. Während der Zugfahrt habe ich die Zeit genutzt, Werbung undf aus dem Fenster zu schauen. Ich stieß auf ein paar vertraute Sachen (Adeka, der kleine Bruder von Edeka, Cinemax[x] und McDonalds). Witziger wurde es beim Umsteigen in die UBahn, die dadurch dass sie nur über Tage fährt (nur auf dieser Linie) auch nicht U-Bahn heißt (anders als in Berlin) – die Züge sind aber die typischen japansichen U-Bahnwagen. Ich stieg ein und wurde von der Werbung ziemlich frei gekleideter Damen begrüßt. Selbst unsere Unterwäsche-Werbung ist noch relativ bider im Vergleich dazu. Ich fand es etwas unpassend – zumal die Dame auf dem Bild nichtmal was wirkliches zum präsentieren hatte. Vielleicht haben sie deshalb die Dame genommen. Die sah aus, als würde man einem Besenstil mit ein paar Strippen umwickeln. Was ebenfalls eine Japanerin (diesmal in Person) zur Schau stellte, war ein Outing zu ihrer Ernährung zur Stillzeit. Sie scheint es für ziemlich cool gehalten zu haben, etwas englisches auf ihrer Bluse stehen zu haben, aber ich weiß nicht ob sie wusste, dass lediglich sowas wie „wurde gestillt“ draufzustehen hatte. Was ich auch in der Bahn merkte, aber erst später in der Bimmelbahn, die sich als Expresszug bezeichnete (eher ne S-Bahn, die halt raus aufs Land fährt), war, dass Japaner in die Bahn steigen und sich Konsolen wie die PSP oder den NintendoDS anschalten, um als Einschlafhilfe zu fungieren. Strom an, Spiel gelade, Augen schließen, Schlafen. Komischer Weise ist keiner von denen an seiner Zielstation vorbeigefahren. Ich bin richtig neidisch.

Als ich dann ankam, war ich erstmal was essen, um euch meine Vergleichswerte übermitteln zu können: die Pommes schmecken besser, Ketschup und Mayo müssen separat bestellt werden, die Coca Cola schmeckt auch besser (meine Meinung), sie wird anders als bei uns nicht zur Hälfte mit Wasser aufgefüllt (jeder kennt die Abzapfdinger wo immer nen Schwall Cola mit dem Schwall Wasser abwechselnd rauskommt), aber dafür zur Hälfte mit Eis und der Burger ist fettiger, dafür aber auch vom Durchmesser ein Tick größer. Alles ist ungefähr 1 bis 2 € teurer als bei uns und der größte Nachteil in Japan ist, dass sie kein McFlurry haben! Fazit (alleine wegen dem letzten Punkt): Kein Mc Donalds mehr für mich.

Nächster Punkt: Unterkunft suchen. Die Japaner haben ja wirklich viele Karten dazustehen, aber ein Problem haben sie dabei: Die Karten sind nicht genordet. Die Nordpfeile sind zwar immer mit angegeben, zeigen auch nach Norden, aber je nach Karte ist Norden woanders. An einigen Karten ist die obere Seite die, wo man auch hinschauen würde, wenn die Karte nicht da wäre, aber nicht bei allen. Also ist erstmal Orientierung angesagt. So ca. anderthalb Kilometer waren es bis zu meinem Wohnheim. Ich dachte mir, kein Problem – selbst mit Gepäck geht das zu Fuß. Auf dem Weg fand ich den hiesige Pokemon-Laden (tatsächlich ein kleiner Spiel- und Schreibwarenladen, dessen Artikel zur Hälfte aus Pokemon-Artikeln bestehen oder damit bedruckt sind – ich werde also kein Problem haben, meinem kleinen Bruder was mitzubringen). Ich lief und lief. Einst hatte man uns erzählt, der Ort liegt am Fuß der Berge. Auf meinem Weg musste ich über eine Menge Zehen klettern, um zum Heim zu kommen. Ergo legte ich auf einer Strecke von direkter Entfernung von 1,5 Kilometern eine tatsächliche Strecke von 2 Kilometern zurück (oder annähernd).

Bei der Ankunft wurde mir erstmal mein Zimmer gezeigt, ich erhiel Bettzeug und -wäsche, und erhielt eine Einführung in die Nutzung der Sanitäranlage (auch hier keine Soundanlage oder Roboter im WC) und die Küche (für Domi: kein Backofen aber unterschiedlichste Geräte die ähnliche und spezialisiertere Zwecke erfüllen, z.B. Toaster [nicht wie bei uns], Broiler-Bräuner, Backfischröhre, Grill  etc.).

Wir trafen dann auf meinen neuen Mitbwohner und alten Unikommilitonen und gemeinsam richteten wir uns häuslich ein. Anders als andere steht unser Kühlschrank nicht in  der Küche sondern auf dem Zimmer und wir haben eigenes Geschirr und ne Menge anderes Zeug. Genau wie alle anderen haben wir Zimmer, die so schon von unseren Vorgängern von vor der Wende hätten benutzt werden können. Die Zimmer hätten ordentlich Farbe dringend notwendig, aber dafür ist es nicht wirklich schmutzig oder kaputt, sondern einfach nur hässlich und alt. Aber wir werdens überleben.

Was ich übrigens noch gar nicht erzählt habe: Die Temperaturen sind die absolute Katastrophe. Es ist mörderisch heiß, man kann sich nur im Schatten bewegen und die Luft ist so feucht, dass man sich das Duschen eigentlich sparen könnte.

Aber wie gesagt, in unserem Zimmer werden wir das überleben. Wir haben nämlich eine Klimaanlage. Erst am Abend wird die abgeschaltet, wenn wir das Fenster öffnen. Eigentlich ist das nicht nötig, denn die Wärme ist sowieso recht flüchtig, da Isolation hier eher ein gesellschaftlicher als bautechnischer Begriff ist.

Der erste Abend war recht entspannt, nachdem wir dann einkaufen waren (ich werde mein Geld vor allem für Essen ausgeben müssen und alle Sondersachen von dem angesparten Geld machen müssen). Wir haben uns erstmal mit Getränken eingedeckt. Das billigste war Wasser (2 Liter für 0,80 €). Ansonsten kam noch Käse und Brot mit dazu. Heute morgen beim Frühstücken dachte ich mir, ich sollte vielleicht drei Schreiben nehmen und pressen, dann komm ich auf die Dichte von deutschen Toastbrot.

Heute werde ich mal noch ein wenig die Gegend erkunden. JetLag habe ich eigentlich nicht und das Wetter ist schön.

Soweit erstmal

Liebe Grüße

Nico

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Eine Antwort to “Endlich da!”

  1. jana 14. September 2011 um 21:50 #

    hallo großer! 🙂
    war lustig zu lesen was da so am Narita Airport so passiert ist.
    Auch das mit dem Toastbrot ist lustig 🙂
    Als ich das Bild von der Toilette gesehen habe musste ich schmunzeln!
    Bin schon auf deinen nächsten Eintrag und Bilder gespannt!

    habe dich ganz doll lieb!
    deine Jana

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