Archiv | September, 2011

Herbstanfang, Willkommensfeiern, Geburtstage

25 Sep

Liebes Tagebuch,

 

in letzter Zeit ist hier vieles los. Am reitag war Herbstanfang, was hier ein Feiertag ist. Wir haben eigentlich nichts großartiges gemacht, aber den freien Tag zum Lernen verwendet. Gestern haben wir dann unsere Willkommensfeier gehabt, bei der ich gleich einige von unseren Gästen aus dem letzten Jahr wiedergetroffen habe. Es war sehr lsutig und es gab viel schönes Essen (und eine Menge von diesen eingepackten Süßigkeiten — die Japaner haben ja einen Fimmel für seperat verpackte Leckerein) und ich habe viele neue Leute kennengelernt. Heute war ich dann mit einem meiner Kommilitonen in Tokio gewesen und wir haben andere Leute getroffen und mit ihnen einen schönen Spieleabend gehabt. Viele von denen leben bereits lange Zeit hier und wenn ich Probleme mit irgendwas haben sollte, kann ich mich an sie wenden. Letztendlich war die letzte Zeit sehr geschäftig, man hat viel zu tun und mrogen beginnt der reguläre Unterricht. Dehslab heißt es jetzt: Ab ins Bett!

 

Was ich jedoch vorher noch weitergeben möchte, liebes Tagebuch, ist ein Geburtstagsgruß.

 

Lieber Harald,

ich wünsche dir alles Gute und viel Gesundheit für dein nächstes Lebensjahr. Ich habe heute öfter an dich gedacht (unter anderen als wir an ein paar schicken Autos vorbei gekommen sind). Happy Birthday.

 

Liebe Grüße

 

Nico

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Taifun #15

22 Sep

Liebes Tagebuch,

gestern haben wir Bekanntschaft mit Taifun #15 gemacht. Schon der Morgen begann so, dass es in Ströhmen regnete, aber da war es praktisch windstill. Unsere Aufnahmegespräche fanden ganz normal statt, nur die Aufnahmezeremonie für die Gruppe, die bereits vor uns angereist war (und ihre im letzten Semester nicht bekommen hatte) wurde abgesagt. Nachdem wir mit dem Unterricht fertig waren und uns in die Mensa setzten um zu Essen, fing der Regen an stürmisch zu werden. Obwohl wir schon zuvor dachten, dass mehr Wasser als am Morgen gar nicht möglich wäre, hat sich die Wassermenge nochmal vervielfacht. Treppen wurden Wasserfällen (wir haben die Stufen zum Teil nicht mehr sehen können), Senken zu Seen und Schirme verwandelten sich in Wohlgefallen. Nachdem wir unseren Orientierungskurs hatten (der vorzeitig beendet wurde, damit wir gerade eine etwas wind- und regenärmere Periode nutzen konnten für den Heimweg) sind wir nach kurzem Zögern nach Hause gegangen. Der Weg war sehr abenteuerlich. Draußen trafen wir nur die armen Herren, die dafür verantwortlich waren, dass trotz Sturm keine der Abflüsse im Rinnstein verstopften (und so es zu partiellen Überschwemmungen kommt). An einer Stelle hat einer von uns schnell mit angepackt, da der arme Mensch der da stand wahrscheinlich innerhalb von 10 Minuten abgesoffen wäre (da gerade zwei Abflüsse gleichzeitig verstopften). Der Regen selber war dabei kein Problem, da der genau aus einer Richtung kam und wir also nur den Schirm in einer Richtung halten mussten. Somit erwischte es nur Schuhe und Hose.

Als wir dann zu Hause ankamen, entledigten wir uns erstmal der nassen Klamotten und kontrollierten unsere Zimmer. Eine Dame hatte vergessen, ihr Fenster zu schließen und so verwandelte sich das Zimmer während ihrer Abwesenheit langsam in einen See. Das Fenster muss wahrscheinlich repariert oder ausgetauscht werden, aber es ist ansonsten nichts passiert.

Gegen Abend wurde der Wind dann noch etwas schärfer. Wir vertrieben uns gerade die Zeit mit einem Kartenspiel, als der Sturm seinen Höhepunkt erreichte und dann auch plötzlich und ohne Vorwarnung abbrach. Von einer Sekudne auf die andere herrschte draußen plötzlich Totenstille. Das hielt ca. eine halbe Stunde an und dann verließen wir das Auge des Sturms wieder. Der Wind war dann nciht mehr ganz so heftig, nur geschüttet hatte es dann noch stark.

Alles in Allem hat man sich gut um uns gekümmert, aber so schlimm war es nicht. Draußen wollte ich zwar nicht sein, aber wir hatten zwischenzeitlich sogar das Fenster offen und es hat uns weder das Fliegengitter zerrissen, noch kam Wasser rein.

Heute morgen sah es dann etwas unordentlich aus, aber zwei Stunden später hat man bis auf einen noch am Rand liegenden Ast nichts mehr vom Stum gesehen und das Universitätsgelände sah wieder blitzblank aus. Hier spricht schon keiner mehr von dem Taifun und wir widmen uns wieder wichtigeren Dinen… wie zum Beispiel dem Umstand dass es in Zukunft wahrscheinlich fast jeden Tag einen Test geben wird.

Liebe Grüße

Nico

Einschulung… eine Schulung für sich

21 Sep

Liebes Tagebuch,

heute hatten wir unseren Einstufungstest und unsere Einschulungsfeier. Ja, richtig: Einschulungsfeier. Das ist wie bei den Erstklässlern: alle kommen in schicken Klamotten, es gibt feierliche Ansprachen, ein paar höhere Schüler tragen was vor und tun ein wenig Dinge und dann gehts nach Hause, es gibt ein Einschulungsessen und man geht ins Bett. Bei usnerer Feier fühlte ich mich Anfangs ein wenig overdressed, aber am Ende lag ich glaube ich genau richtig: ich sah (meiner Meinung nach) schicker aus als die anderen. Das war auch nicht wirklich schwer, da einige mit Alltagsklamotten und einige sogar mit Jogginghosen kamen. Es gab aber auch welche, die ebenfalls rausgeputzt erschienen (z.B. die komplette deutsche Delegation). Ich habe heute auch gelernt, dass die Japaner so sehr an Protokoll und Formalitäten hängen, dass es vor, während und nach den Veranstaltungen sogar einen Ansager gibt, der die Leute laut und deutlich vorbereitet und einweist. Und ich habe gemerkt, dass es halt zu den Prüfungsbedingungen gehört, dass die Leute vorne beim Hörtest in der Eisntufung alles hören und alle ab der Hälfte des Klassenraums gar nichts mehr.

Den Abschluss des Tages hat unser „Einschulungsessen“ gemacht, nachdem ich zuvor durch die ersten Taifun-Ausläufer (ergo erstmal nur ne Menge Regen) durchradelte um zum Supermarkt zu kommen. Ich denke, ich werde erstmal nicht so schnell wieder Fahrrad fahren. Teilweise bedingt dadurch, dass es hier so ziemlich keine Regeln gibt, an die du dich als Fahrradfahrer zu halten hast (ich bin froh dass die Leute prinzipell vor mir sowieso nen gewissen Respektsabstand halten – ich könnte als Gaijin ja was unerwartetes tun). Mein japanischer Kommilitone fuhr kreuz und quer und ich folgte ihm natürlich udn suchte erstmal das System. Beim Rad selber würde wahrscheinlich jeder Verkehrserziehungslehrer oder -erzieher einen Herzinfarkt bekommen („Dass das so laut ist muss so sein – und dass Teil was da runterhängt ist eh nicht so wichtig.“). Richtig gefährlich ist es zu keiner Zeit gewesen, da die Autofahrer richtig umsichtig hier fahren, denn heir gilt die Prämisse: Wer mehr PS unter der Haube hat, hat auf alle mit weniger Acht zu geben. Dennoch: Für mich kein Fahrrad mehr.

Also nach abschließenden Bratkartoffeln mit Spiegelei noch schnell hier ein paar Zeilen hinterlegen und dann ab ins Bett, denn morgen muss ich wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen.

Liebe Grüße

Nico

PS: Hier noch ein paar Bilder. Fotos von der Einschulung folgen demnächst. Das erste Bild ist ein Regal in der Brotwarenabteilung, in dem Pokemon-Brote liegen (ob das Franchise ist oder man Pokemon drin hat, bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen – dass es tatsächlich aber Nahrungsmittel gibt, die zum Beispiel ein Ei-Pokemon auf einer Eierspeise und ein Karpfen-Pokemon auf einer Fischsspeise haben [im selben Sortiment] ist kein Witz). Das zweite Bild zeigt einen Gillideckel hier bei uns. Ja, auch Gullideckel können schön sein. Zu Hause sollte man sich daran ein Beispiel nehmen. Und das dritte Bild ist mein schwedischer Kommilitone, der wirklich alles kann: er schreibt gerne, kann gut zeichnen, singt gut und spielt genauso gut Gitarre, ist Kickboxer, gut in Englisch, Japanisch und Schwedisch, kann sogar einiges an Deutsch und hilft mir des öfteren aus der Patsche („Mist, mein Rasierer klappt hier nicht!“ „Kein Problem, schau hier, dass hab ich mal als Werbegeschenk bekommen!“ – Man muss dazu sagen die Werberasierer sind nicht schlecht hier).

Ehre wem Ehre gebührt

19 Sep

Liebes Tagebuch,

da heute 敬老の日 Keirô no Hi ist, möchte ich heute vor allem an die denken, die ihren Lebensweg schon ein ganzes Stück länger beschreiten als ich. Heute ist Feiertag, was bedeutet, dass wir heute noch nicht mit dem Unterricht beginnen. Aber lasst mich ersteinmal erklären, worum es bei diesem Feiertag eigentlich geht. Keirô no Hi ist seit 1966 ein nationaler Feiertag. Übersetzt bedeutet das soviel wie „Tag der Ehrung der Alten“. Vor allem im Fernsehen, aber auch an bestimmten öffentlichen Orten, werden heute vor allem ältere Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Dass heißt z.B. Fernsehprogramm über ältere Leute, aber auch für ältere Leute (z.B. zur medizinischen Versorgung, Rentenaufbesserung, Unterhaltungsprogramme, etc). Den Feiertag gab es schon ca. zwanzig Jahre zuvor im regionalen Bereich, der aber dann so beliebt wurde, dass er für ganz Japan eingeführt wurde.

Ich selber sehe dass wie gesagt als Möglichkeit, mal ganze besonders an alle meine Omas, Tanten und Onkels zu denken, ihnen Gesundheit und Zufriedenheit zu wünschen und mich an die Zeit sowohl mit denen die ich noch habe zu erinnern, als auch an die Zeit mit meinen Onkels, Großvätern und Urgroßeltern, die das heute nicht mehr lesen können.

Nico

Ein netter Abend

17 Sep

Liebes Tagebuch,

gestern Abend war recht nett. Ich habe mich mit einigen leuten getroffen, und wir haben uns zusammengesetzt und Pen&Paper gespielt. Ich hätte nicht gedacht, dass eine halb-englisch/halb-japanische Runde so viel Spaß machen kann. Wir haben Magus gespielt und die Jungs haben sich wirklich viel Mühe gemacht, ihre Charaktere vorher zu bauen. Nur einer von ihnen hat vorher schonmal P&P gespielt, aber alle hatten sich tolle Gedanken zu ihrem Hintergrund gemacht und zwei haben dann sogar noch mehrseitige Hintergrundgeschichten überlegt. Nun haben wir in der Gruppe drei frische Magier, von denen einer angehöriger einer lokalen Minderheit in Japan ist, einer ein alter Ex-Boxer und ein weiterer ein japanischer Otaku, der nun auch seine Mecha (in klein) basteln kann.

Alles in allem war es lustig und es herrschte auf dem Spieltisch unheinmliches Chaos. Die anderen entschieden nämlich, dass zu einem Spieleabend Knabberkram gehört. Sie entschieden sich für eine Mischung aus westlichen und asiatischen Knabberreien. Während ich also erzählte, knabberten die drei anderen geröstete Seetang-Blätter. Das ist nicht halb so gesund wie es sich anhört, da sie in ziemlich fettig waren, aber ich denke immernoch gesünder als Chips.

Das wars erstmal wieder.

Liebe Grüße

Nico

Labyrinthe und Fallen

15 Sep

Liebes Tagebuch,

es scheint wirklich so eine Art Abenteuerreise zu werden. Seit vorgestern versuche ich mich zu orientieren, was ich wo bekomme, was man dafür bezahlt, und wie man dafür bezahlt. Einmal einkaufen gehen bezahle ich meist mit Schweiß und schmerzenden Füßen. Der einzige Supermarkt den ich bisher gefunden habe liegt ca. 1 km Luftlinie entfernt. Eigentlich kein Problem, aber da dazwischen alle möglichen Hügel, Hänge und Mini-Täler liegen ist es ein ständiges Auf und Ab. Auch im Supermarkt wird es nicht besser: da werden Berg- und Talfahrten getauscht gegen ein riesiges Labyrinth aus Gängen. Irgendwie schaffen sie es auf die Größe eines Supermarktes wie Rewe (leicht untertrieben) ein Sortiment zu quetschen, das Kaufland (leicht übertrieben) entsprechen würde. Und nichts ist da wo es sein sollte. Es gibt drei Abteilungen, die bei uns in Richtung Brot und backwaren fallen würden, drei Getränkeabteilungen und Gemüse ist sowieso verteilt. Hygiene-Artikel sind sortiert in über 5 Abteilungen (zwei für Zahnhygiene alleine) und einzig Fleisch und Fisch lagert in jeweils einer Abteilung. Von Obst, Milchprodukten, Gewürzen, unterschiedlichsten Pilzen, Haushaltsartikeln, Süßigkeiten und Knabbereien will ich erst gar nicht reden. Und dieses Labyrinth ist gespickt mit Fallen: da stehen Milchtüten, die von außen aussehen wie Milch, aber keine Milch sind; Fleisch das so aussieht wie Fleisch, aber nen Pilz ist; Eiskaffee der mehr Kaffee beinhaltet als ein Mokka; Wasser, auf derem Ettikett das Zeichen für Wasser recht groß geschrieben ist, aber dafür kein reines Wasser ist, sondern nen Sportgetränk. Um dem eins drauf zu setzen, gibt es japanische Produkte mit europäischen Namen, die etwas versprechen, aber nicht bieten: Cider ist ein Energydrink, „Neue Welt“ schmeckt weder neu noch nach Welt (das so ziemlich schlechteste Bier der Welt – wenn man es denn als Bier bezeichnen kann – nix Reinheitsgebot) und es gibt „Salami“, die zuvor nichtmal ansatzweise auf Beinchen lief. Also Labyrinthe und Fallen.

Aber auch andere Labyrinthe und Fallen gehören nun zum japanischen Alltag (eher Abend). Gestern habe ich durch Zufall das Thema Brettspiele und Pen-and-Paper-Rollenspiele angesprochen und sofort begeisterte Mitspieler gefunden. Der gestrige Abend war sehr spannend und erlebnisreich, als wir uns durch das Brettspiel DungeonQuest schlugen und dabei uns über die jeweiligen anderen austauschten.

Nun werde ich aufbrechen müssen zu neuen Abenteuern

Liebe Grüße

Nico

PS: Hier noch ein paar Bilder von meiner Entdeckungsreise und dem Spieleabend.

Endlich da!

14 Sep

Liebes Tagebuch,

heute und gestern hatte ich einen Mörderflug. Ich konnte in keinem Flieger auch nur ansatzweise schlafen. Da ich mir ja kurz vor Abflug noch eine Erkältung eingefangen habe, bin ich dann mal spontan im Flugzeug taub geworden. Nach dem ersten Flieger gings dann im zweiten wieder mit dem Hören, aber spätestens bei der Landung der Maschine in Japan wars damit vorbei.

Aber mal vom Anfang an.

Am Montag morgen wurde ich von meiner Familie rührend verabschiedet. Dabei flossen viele Tränchen.

Nachdem ich dann mich verabschiedet hatte kam die Sicherheitskontrolle. Wie meine Familie vielleicht mitbekommen hat, gab es erst einige Probleme. Ich legte alle Taschen ab und entfernte meinen Gürtel. Das alleine ist etwas schwierig, denn die Hose ist am Bund etwas zu groß – so groß, dass sie locker rutscht. Mit einer Hand die Hose haltend ging ich also durch die Sicherheit. Piep. Ich habe geschworen, dass ich ncihts habe. Bei der Kontrolle mit der Kelle wurde ich erst auf meine Tachenuhr, nach dem zweiten Durchgang auf mein Portmonaite, beim dritten auf mein Handy, beim vierten auf meinen Schlüssel hingewiesen. Wo das dann alles geklärt war, bekam ich meinen Gürtel zurück und musste sie nicht mit der Hüfte balancieren (bei der Nachkontrolle immer schön die Arme weit ausstrecken). Rein in den Flieger und ab dafür. Im ersten Flug selber haben sie mir ein Sandwich serviert, dass nichtmal schlecht war (nach momentanen Maßstäben gemessen). Zur Landung hin wurde es kritisch: Ich war plötzlich auf einem Ohr taub. Das blieb auch weiterhin, als wir gelandet sind in London. Wir passierten dort erneut die Sicherheit, um in das Einkaufszentrum zu gelangen. Will man nämlich weiterfliegen, kann man gar nicht anders, als da durchzugehen. Ich denke, es ist Taktik, dass zwischen allen Flügen so viel zeit liegt, denn es gibt z.B. eine Harrods-Fiale, mehrere Kaufhäuser, ja sogar Hotspots für Internet (natürlich entsprechend teuer) und eine ganze Menge Restaurants (mit unverschämten Preisen). Ich entschied mich am Ende dazu, mir einen Bagel zu holen (Hamburger o.Ä. kosteten ein Vermöfen), der wirklich gut schmeckte. Nach ewigem Warten durften wir am Ende auch zu unserem Gate fahren – mit dem Zug. Der war gottseidank kostenlos, aber dafür auch führerlos. Irgendwann starteten wir endlich nach Japan (an Bord eines nicht ganz kleinen Flugzeug).

Der Flug selber war sehr entspannend. Das Entertainment-System der BA ist recht gut. Man hat eine sehr große Auswahl neuer und alter Filme aus verschiedenen Sparten und in verschiedenen Sprachen. Ein Problem: die wenigsten Filme gibt es auf Deutsch. Also auf Englisch. Ich kann euch sagen, dass Battle LA hätte besser lein können. Kung-Fu Panda war auch nicht so gut wie der erste Teil, aber definitiv schon was, was man sich ansehen konnte. Danach kamen noch eine Folge Doctor Who und zwei Folgen Big Bang Theory. Die Restliche Zeit verbrachte ich damit zu essen, dem Versuch einzuschlafen und lesen. Das Essen war recht gut, ich hätte zumindest schlimmeres erwartet. Einschlafen klappte irgendwie bei allen anderen im Flugzeug (die Dame zwei Plätze weiter schließ ein, als sie sich setzte und wachte auf, als wir gelandet waren – Neid), nur bei mir nicht. Ruhige Musik half nicht und Alkohol wollte ich nicht. Der Flug war übrigens inklusive Getänke (wozu auch ein gewisses Maß an Wein gehörte – den ich wie gesagt ablehnte). Der Orangensaft wurde in Joghurtbechern (kleine Joghurtbecher – so in der Größe von Fruchtzwerg) serviert.

Kurz bevor wir zum Landeanflug ansetzten war dann meine Taubheit weg. Als wir zum Landen ansetzten kehrte sie zurück.

Das erste was mich begrüßte, als ich nach Japan kam, war eine Citibank-Werbung. Das zweite waren die Toiletten. Nachdem ich kurz die falsche Tür erwischte und vor einem traditionellen japanischen Klo stand, fand ich das „normale“ europäische WC. Für alle die fragten: keine HiFi-Anlage oder Roboter im Klo – nur ne normale Kloschüssel.

Danach kam ich den Sicherheitsbereich. Das witzige ist, dass man einreisen muss nach Japan um seine Koffer zu bekommen. Ich habe natürlich, vorbildlich wie ich bin (und dank unseres Flugbegleiters Shaun) alle Papiere richtig und vollständig ausgefüllt. Ich stellte mich also an die lange Schlange an – und wurde erstmal über die Kriterien belehrt, die zur Verweigerung der Einreise führen würden – erst auf Chinesisch, dann auf Koreanisch, dann auf Spanisch, dann auf Portugiesisch, dann auf Russisch, dann auf Thai und dann endlich in Sprachen die ich lesen konnte: erst Französisch, dann Japanisch, dann Englisch. Dann war die Schlange auch schon so weit aufgerückt, dass ich zu den eigentlichen Schlangen weitergeleitet wurde – es gibt bei der Einreise am Flughafen nämlich eine Schlange für die Schlange. Ältere Herren (Rentner die sich was dazu verdienen) sind da, um uns einzuweisen und die Vollständigkeit der Dokumente zu kontrollieren. Einer der Rentner wies mich dann an, die vierte Schlange zu betreten. Also ging ich von einer zur anderen. Dort dauerte es nochmal eine Weile (die, die vor mir standen hatten natürlich nicht alles). Zwischendurch frgten wir uns, was geschehen würde, wenn man ausgewiesen werden würde? Der Koffer kommt ja nicht mit, da der ja schon einreisen durfte. Egal: Ich durfte letztendlich dann vor den grimmigen japanischen Grenzer treten. Er sah meine Papiere, sein Gesicht hellte auf und er sprach mit mir nicht mehr auf Englisch, sondern auf Japanisch. Wie sehr sich doch die Meinung der Leute verbessert, wenn man ihre Sprache spricht. Ich musste nur Fingerabdrücke und Foto schnell machen und wurde ohne weitere Umstände durchgewunken. Meine Bearbeitungszeit liegt bei 10 % des Durchschnittswertes meiner Vorgänger. Mir solls recht sein. Dann Koffer holen und weiter. Nächste Kontrolle: Zoll. Ich sah von der Schlange aus (diesmal nur eine), dass er jeden Dritten seine Koffer öffnen ließ. Wie der Zufall es so wollte, war ich Nummer Drei. Auch er sah meine Papiere und schien sich zu freuen, jemanden zu haben der Japanisch spricht. Einzige Frage war, wie viele Taschen ich habe und dann wurde ich durchgewunken. Ich denke nur, dass der Argentinier hinter mir sich weniger gefreut hat, da er nun allen Anschein nach Nummer drei war.

Erste Hürde geschafft – was nun? Taxi und Transferbusse waren ausgewiesen, nur die Bahn versteckte sich. Ich kaufte erstmal die Tickets (was mich insgesammt 28 € kostete – so ca.) und begab mich dann auf die Suche. Ich fand dann auch den Bahnhof recht schnell (nach nur zweimal fragen) und wartete kurz auf den Zug. Das witzige an Regionalbahnhöfen ist, dass für jede einzelne Linie die Einstiege angezeigt werden. Du merkst also gleich daran, dass du beim Versuch einzusteigen gegen eine Seitenwand rennst, dass es der Falsche Zug ist. Während der Zugfahrt habe ich die Zeit genutzt, Werbung undf aus dem Fenster zu schauen. Ich stieß auf ein paar vertraute Sachen (Adeka, der kleine Bruder von Edeka, Cinemax[x] und McDonalds). Witziger wurde es beim Umsteigen in die UBahn, die dadurch dass sie nur über Tage fährt (nur auf dieser Linie) auch nicht U-Bahn heißt (anders als in Berlin) – die Züge sind aber die typischen japansichen U-Bahnwagen. Ich stieg ein und wurde von der Werbung ziemlich frei gekleideter Damen begrüßt. Selbst unsere Unterwäsche-Werbung ist noch relativ bider im Vergleich dazu. Ich fand es etwas unpassend – zumal die Dame auf dem Bild nichtmal was wirkliches zum präsentieren hatte. Vielleicht haben sie deshalb die Dame genommen. Die sah aus, als würde man einem Besenstil mit ein paar Strippen umwickeln. Was ebenfalls eine Japanerin (diesmal in Person) zur Schau stellte, war ein Outing zu ihrer Ernährung zur Stillzeit. Sie scheint es für ziemlich cool gehalten zu haben, etwas englisches auf ihrer Bluse stehen zu haben, aber ich weiß nicht ob sie wusste, dass lediglich sowas wie „wurde gestillt“ draufzustehen hatte. Was ich auch in der Bahn merkte, aber erst später in der Bimmelbahn, die sich als Expresszug bezeichnete (eher ne S-Bahn, die halt raus aufs Land fährt), war, dass Japaner in die Bahn steigen und sich Konsolen wie die PSP oder den NintendoDS anschalten, um als Einschlafhilfe zu fungieren. Strom an, Spiel gelade, Augen schließen, Schlafen. Komischer Weise ist keiner von denen an seiner Zielstation vorbeigefahren. Ich bin richtig neidisch.

Als ich dann ankam, war ich erstmal was essen, um euch meine Vergleichswerte übermitteln zu können: die Pommes schmecken besser, Ketschup und Mayo müssen separat bestellt werden, die Coca Cola schmeckt auch besser (meine Meinung), sie wird anders als bei uns nicht zur Hälfte mit Wasser aufgefüllt (jeder kennt die Abzapfdinger wo immer nen Schwall Cola mit dem Schwall Wasser abwechselnd rauskommt), aber dafür zur Hälfte mit Eis und der Burger ist fettiger, dafür aber auch vom Durchmesser ein Tick größer. Alles ist ungefähr 1 bis 2 € teurer als bei uns und der größte Nachteil in Japan ist, dass sie kein McFlurry haben! Fazit (alleine wegen dem letzten Punkt): Kein Mc Donalds mehr für mich.

Nächster Punkt: Unterkunft suchen. Die Japaner haben ja wirklich viele Karten dazustehen, aber ein Problem haben sie dabei: Die Karten sind nicht genordet. Die Nordpfeile sind zwar immer mit angegeben, zeigen auch nach Norden, aber je nach Karte ist Norden woanders. An einigen Karten ist die obere Seite die, wo man auch hinschauen würde, wenn die Karte nicht da wäre, aber nicht bei allen. Also ist erstmal Orientierung angesagt. So ca. anderthalb Kilometer waren es bis zu meinem Wohnheim. Ich dachte mir, kein Problem – selbst mit Gepäck geht das zu Fuß. Auf dem Weg fand ich den hiesige Pokemon-Laden (tatsächlich ein kleiner Spiel- und Schreibwarenladen, dessen Artikel zur Hälfte aus Pokemon-Artikeln bestehen oder damit bedruckt sind – ich werde also kein Problem haben, meinem kleinen Bruder was mitzubringen). Ich lief und lief. Einst hatte man uns erzählt, der Ort liegt am Fuß der Berge. Auf meinem Weg musste ich über eine Menge Zehen klettern, um zum Heim zu kommen. Ergo legte ich auf einer Strecke von direkter Entfernung von 1,5 Kilometern eine tatsächliche Strecke von 2 Kilometern zurück (oder annähernd).

Bei der Ankunft wurde mir erstmal mein Zimmer gezeigt, ich erhiel Bettzeug und -wäsche, und erhielt eine Einführung in die Nutzung der Sanitäranlage (auch hier keine Soundanlage oder Roboter im WC) und die Küche (für Domi: kein Backofen aber unterschiedlichste Geräte die ähnliche und spezialisiertere Zwecke erfüllen, z.B. Toaster [nicht wie bei uns], Broiler-Bräuner, Backfischröhre, Grill  etc.).

Wir trafen dann auf meinen neuen Mitbwohner und alten Unikommilitonen und gemeinsam richteten wir uns häuslich ein. Anders als andere steht unser Kühlschrank nicht in  der Küche sondern auf dem Zimmer und wir haben eigenes Geschirr und ne Menge anderes Zeug. Genau wie alle anderen haben wir Zimmer, die so schon von unseren Vorgängern von vor der Wende hätten benutzt werden können. Die Zimmer hätten ordentlich Farbe dringend notwendig, aber dafür ist es nicht wirklich schmutzig oder kaputt, sondern einfach nur hässlich und alt. Aber wir werdens überleben.

Was ich übrigens noch gar nicht erzählt habe: Die Temperaturen sind die absolute Katastrophe. Es ist mörderisch heiß, man kann sich nur im Schatten bewegen und die Luft ist so feucht, dass man sich das Duschen eigentlich sparen könnte.

Aber wie gesagt, in unserem Zimmer werden wir das überleben. Wir haben nämlich eine Klimaanlage. Erst am Abend wird die abgeschaltet, wenn wir das Fenster öffnen. Eigentlich ist das nicht nötig, denn die Wärme ist sowieso recht flüchtig, da Isolation hier eher ein gesellschaftlicher als bautechnischer Begriff ist.

Der erste Abend war recht entspannt, nachdem wir dann einkaufen waren (ich werde mein Geld vor allem für Essen ausgeben müssen und alle Sondersachen von dem angesparten Geld machen müssen). Wir haben uns erstmal mit Getränken eingedeckt. Das billigste war Wasser (2 Liter für 0,80 €). Ansonsten kam noch Käse und Brot mit dazu. Heute morgen beim Frühstücken dachte ich mir, ich sollte vielleicht drei Schreiben nehmen und pressen, dann komm ich auf die Dichte von deutschen Toastbrot.

Heute werde ich mal noch ein wenig die Gegend erkunden. JetLag habe ich eigentlich nicht und das Wetter ist schön.

Soweit erstmal

Liebe Grüße

Nico